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Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Mo 10. Dez 2012, 21:52
von rme
Da ja niemand den von mir im Jahr 2008/2009 von einen damals namhaften Motorenbauer aufgebauten Motor als defekte Wundertüte zu einem Preis kaufen wollte, der größer als meine Neugier war, wurde er nun zerlegt. ...und das war eine weise Entscheidung von euch ihn nicht kaufen zu wollen.
***** Einschub für alle die die Geschichte nicht kennen: *****
Der Motor hatte neben einer stark korrodierten Unterseite sehr starken Ölverlust und über 0,3 mm Axialspiel und wurde nach 500 km wieder ausgebaut. Da es bereits der vierte Versuch des "Motorenbauers" war, einen funktionstüchtigen und technisch einwandfreien revidierten Motor zu liefern, ging die Sache vor Gericht wo auch alles zu meinen Gunsten entschieden wurde. Nur Geld habe ich "mangels Masse" leider nie gesehen.
***** Einschub Ende *****
Hier das Ergebnis ( 500 km Laufleistung nach "Genralüberholung"):
Köpfe sind von außen hui und innen megapfui. Leider habe ich noch keine Fotos von den wirklich schönen Rissen gemacht, ging irgendwie alles zu schnell - liefer ich aber noch nach. Sehr schön sind aber auch die absolut runter gerockten Ventile.

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Die Ventilführungen sind bei den Ventilen die wir raus hatten auch total ausgeschlagen, mehr Elend wollten wir nicht mehr sehen und haben den Rest drin gelassen.
Kolben und Zylinder sind neue Mahle und bislang zumindest optisch absolut ok. Da gibt es ausnahmsweise mal nix zu meckern.
Sehr schöne undefinierbare Ablagerungen im Bereich Ölsieb:

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Nachdem ich schon im Vorfeld einige sehr lose M8er Gehäuseschrauben gefunden hatte, sie ließen sich mit dem Drehmomentschlüssel noch 1/4 bis 1/2 Umdrehung nachziehen. Viel mir dann das ins Auge:

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Natürlich konnte man die Mutter mit den Fingern runter drehen.

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Also Gehäuse dann mal auseinander. Als erstes vielen und die Lager ins Auge. Auch wenn sie scheinbar neu waren, haben sie es allesamt hinter sich. Irgendwas muss im Gehäuse gewesen sein und hat die Lager ruiniert.

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Wer verbaut so eine Scheiße???

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Die Pleuel waren Repros und augenscheinlich noch ganz ok. Sie sind bei Lars geblieben, er will mal was damit bauen.
Weitere Bilder kommen in den nächsten Tagen noch.
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Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Mo 10. Dez 2012, 22:57
von PeterHadTrapp

vielmehr fällt mir da nicht ein ...
dagegen war ja das Ölsieb meiner-AB-Lagerleich mit unbekannter Kilometerlaufleistung geradezu "clean" ... heieiei ...
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Mo 10. Dez 2012, 22:59
von Poloeins
War wirklich ein schöner Morgen:-D
(Auch wenn deine Kamera wirklich aus der Zeit der Dinosaurier ist,macht sie wirklich gute Bilder)
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Mo 10. Dez 2012, 23:12
von rme
Poloeins hat geschrieben:
(Auch wenn deine Kamera wirklich aus der Zeit der Dinosaurier ist,macht sie wirklich gute Bilder)
Sag ich doch, du hast ja noch gelacht als ich dir sagte, ich hätte mir gerade noch eine "neue" gebrauchte gekauft.
Mich könnte von den neuen bislang keine bzgl. Handhabung und Bildqualität überzeugen - zumindest keine unter 200 Euro.
(Die Rede ist übrigens von einer Canon DIGITAL IXUS II)
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Mo 10. Dez 2012, 23:20
von PeterHadTrapp
Die Rede ist übrigens von einer Canon DIGITAL IXUS II
Die Ixus waren gut. Außerdem hatten die kompakten Dinger früher lange nicht so viele Pixel, was eigentlich viel besser war, der Fotomarkt ist einen einzige Verarsche.
Es gibt viele Digis aus den Jahren um 2005/6/7 deren Abbildungsleistung locker auf der Höhe der heutigen Dinger ist, nur die Reaktionsgeschwindigkeiten sind halt nicht mehr so ganz up-to-date ... aber unsere Käferteile rennen ja meistens nicht weg beim Fotografieren

Wenn ich mir manchmal meine Fotos ankucke, die ich mit der seligen Dimage 7i gemacht habe, dann sind die immer noch völlig OK, solange ich nicht mit DSLRs vergleiche und selbst die Fotos, die ich mit der guten alten Dynax 7D (6MP-SLR der ersten Generation) geschossen habe, das braucht keinen Vergleich mit den Ergebnissen von heute zu scheuen, solange halt keine hohen ISO-Werte gebraucht wurden.
... aber das ist jetzt OT ...

Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Di 11. Dez 2012, 09:34
von orra
Hallo,
hmmmm lecker.
Frei nach dem Motto:
Neue Kolben und Zylinder drauf und ab dafür.....
Wenn die mittleren Haubtlagerbolzen nicht angezogen waren, ist das kein Wunder, dass alles klappert und sifft.
Der blaue Motortot war auch von der Partie
Super,,,,,ähhh sorry....
Mein Beileid natürlich
Gruß,
orra
PS: einen noch: Wer mit Handschuh schraubt, gehöhrt verhaut

Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Di 11. Dez 2012, 10:43
von Varus
Da bleibt einem die Spucke weg..
Problematisch finde ich immer das das Geld 'mangels Masse' nie den eigentlich Bedürftigen erreicht. Aus anderen Bereichen kenne ich das auch. Da wird'n Titel erlangt und das wars dann. Ein Lebenlang warten auf Kohle.
"ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert" W.Busch hatte das schon drauf.
Warum nur alles so blöde über'n jordan ging ist als Motorbauer unverständlich; z.B. die losen Muttern. Dreck in den Kanälen, die die Lager versauen sind Anfängerfehler. Außer da wurden noch so nebenbei Autos lackiert und Motoren gebaut; da kannte ich auch mal einen.
Hiwis haben den Motor gebaut( gibts bei einigen Tunern) und waren sauer auf den Chef- was anders kann ich mir nicht vorstellen.
Noch zu den Kameras:- der heutige Pixelmüll wird generiert durch die Kunden die viele Megapixel wollen,möglichst 14 oder mehr, aber die Sensoren sind noch genauso gross wie mit 5Mp bei den meisten unter 200.-€. Und rauschen schon ab 200DIN ISO/ASA.
Wenn schon CANON fiel, so nenne ich hier mal LEICA. Davon habe ich 2 . Nur 10Mp, aber mit grossen Sensor. Macht sich bemerkbar, aber(leider) auch im Preis.
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Di 11. Dez 2012, 11:10
von Boncho
Interessante Maschine. So einen ähnlichen Fall hatte ich auch mal. Da sah das Kurbelwellenzahnrad ähnlich aus, da mit einem handelsüblichem Abzieher runter gezogen. Logischerweise waren dann ein paar Zähne minimal krumm, was zu sehr hoher Abnutzung des Alurades der Nockenwelle geführt hat. Den ganzen Mist zieht er sich dann natürlich durch sämtliche Lager, was deren Aussehen erklärt.
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Di 11. Dez 2012, 21:32
von rme
orra hat geschrieben:
PS: einen noch: Wer mit Handschuh schraubt, gehöhrt verhaut

Ich hau dich auch gleich mal
Meist schraube ich auch ohne, zumindest beim Zusammenbau und wenn es halbwegs sauber und sicher ist. Allerdings beim demontieren von dreckigen Teilen sind so Handschuhe schon ganz nützlich. Außerdem ist das Handschuhfoto in den heiligen Hallen von Lars entstanden, es gibt dort kein Wasser und wir wollten nacher noch "für gut" weg. Reicht das als Entschuldigung???
So weit ich das beurteilen kann wurde der Motor "vom Meister persönlich" zusammen gebaut. Aber spätestens nach der zweiten Reklamation möchte der mich wohl nicht mehr.
Unterm Strich hat mich die Geschichte zwar etwas Geld gekostet, ich habe aber viel gelernt und jetzt auch einen deutlich besseren Motor im Käfer. Mitleid braucht mit mir also niemand zu haben, bedauert mal lieber den Erbauer des Motors, dem geht es offensichtlich deutlich schlechter als mir. Allerdings wäre es schön, er würde auch mal finanziell für seine Schuld einstehen.
Sollte es meine knappe Zeit mal zulassen, werde ich sicher auch noch mal einen Motor selbst aufbauen - auch wenn ich gerade gar keinen brauche. Besser als oben gezeigt kriege ich das auf jeden Fall hin - da bin ich mir ganz sicher.
Die Kamera hat übrigens sagenhafte 3,2 Megapixel (ganz wichtig, die 2 hinter dem Komma)
Billig war das Teil damal allerdings auch nicht, knapp 500 Euro zzgl. 128 MB Speicherkarte für schlappe 80 Euro.
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Di 11. Dez 2012, 21:41
von Elle76
Interessante Bilder.....mich als unwissender würde mal interessieren, ob man den nochmal hinbekommt....oder doch lieber alles in den Schrott???
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Di 11. Dez 2012, 21:56
von Poloeins
rme hat geschrieben:... Außerdem ist das Handschuhfoto in den heiligen Hallen von Lars entstanden, es gibt dort kein Wasser und wir wollten nacher noch "für gut" weg. Reicht das als Entschuldigung???
Natürlich nicht!!!
Ich habe selbstverständlich fliessendes Wasser am Tempel.Leider war es an dem Tag sicherlich deutlich unter 0grad draussen.Da habe leider nur ein Eiswürfelmaschine zum Hände waschen:-D
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Di 11. Dez 2012, 22:27
von rme
Elle76 hat geschrieben:Interessante Bilder.....mich als unwissender würde mal interessieren, ob man den nochmal hinbekommt....oder doch lieber alles in den Schrott???
Sicher könnte man das Gehäuse reinigen, vermessen und sicher auch spindeln. Es ist allerdings von unten so stark korrodiert, dass zumindest ich es nicht mehr haben möchte. Die Kurbelwelle könnte man noch mal schleifen lassen. Mit neuen Lagern, anderer Nockenwelle und Köpfen könnte daraus also noch mal ein Motor werden. Ich will es aber ganz einfach nicht!
Kolben und Zylinder werde ich wohl behalten, der Rest kommt weg.
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Di 11. Dez 2012, 22:54
von PeterHadTrapp
Mal ne blöde Frage: wieso korrodieren manche Motorgehäuse so sehr und andere genauso alte oder ältere fast gar nicht ?
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Di 11. Dez 2012, 23:09
von rme
Sie korrodierenn sehr gern wenn sie ausbaut in eine feuchten Halle oder Garge jahrelang auf dem Boden stehen. Wenn es noch feuchter ist und der Motor trocken, dann sogar wenn sie in der Luft hängen.
Re: Wie ein generalüberholter Motor nicht aussehen sollte.
Verfasst: Mi 12. Dez 2012, 08:38
von orra
Hallo,
Handschuh:
war ja nur Spass und hast Du auch hoffentlich so aufgefasst. Beim zerlegen oder Schrott tragen haben wir auch Handschuhe an

("... und sie fingen an, sich zu entschuldigen...")
Ich sehe, Du bist über den
"Fehlkauf" hinweg. Geld wirst Du aber warscheinlich nie bekommen
Motor:
Ich würde auch sehr vorsichtig sein, den Motor wieder instand zu setzen. Wenn die Hauptlagerhasse nicht richtig angezogen war, wird das ganze Gehäuse krum sein.
Mit HL-Gasse spindeln ist es dann nicht getan.
Oxidation:
Typ1-Blöcke haben teilweise einen sehr hohen Magnesiumanteil. Dies oxidiert noch schneller als Aluminium.
Wenn so ein alter Motor "schön" verölt ist, dann kann natürlich weniger oxidieren.
Wir haben schon Altmotoren gehabt, die sogar von innen nach aussen durchoxidiert waren, weil Wasser eingedrungen ist und der Motor ausgebaut ewig gestanden hat.
Generell ist leichte äusserlich Oxidation kein technisches Problem. Unschön ja, aber warscheinlich bei den meisten gebrauchten Blöcken mehr oder weniger zu finden.
Gern entsteht so ein kleiner Lochfrass auch dort, wo die Verblechung angeschraubt wird. Zum einen ist die Kombination ALU-Magnesiumlegierung in Verbindung mit dem Eisenblech und Salzwasser eine reaktionsfreudige Sache, zum anderen hält sich dort auch feuchter Schmutz recht gut und oxidiert dann eben.
Wenn weniger Magnesium in der Legierung ist, dann oxidiert es auch weniger.
Typ4-Gehäuse sind da ein sehr gutes Beispiel.
Gruß,
orra