Karosserie Verzinken ?

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Fong
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Karosserie Verzinken ?

Beitrag von Fong »

Hallo Leute, mal eine Frage…

Mein Kollege ist Fahrzeugbauer (LKW) und die haben in der Firma einen Strahlkabine und die Möglichkeit zum Spritzverzinken.

Werde demnächst mit der Karosserie starten und habe überlegt ob es sinnvoll wäre die Karosserie zu verzinken. (kostet mich fast nichts…)

Was denkt ihr darüber: sinnvoll oder übertrieben?

Gedacht wären die Arbeiten in folgender Reihenfolge: (korrigiert mich wenn ich was falsch sehe)

Karosserie Sandstrahlen
Komplett Schweißen
nochmal strahlen (laut dem Strahler mit ganz feinen Material)
Karosserie Spritzverzinken

bitte um eine ehrliche Meinung…

Grüße Simon
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Re: Karosserie Verzinken ?

Beitrag von 74er_1303 »

Hohlräume in Autos rosten von innen nach außen durch. Da hilft Spritzverzinken nix. Chemisch entlacken und Tauchbad schon ein wenig. Da wo Bleche (doppelt oder dreifach oder...) aufeinander geschweißt sind kommt weder Zink noch sonstige Tauchbäder hin.

Bei Karosserieblech ist Sandstrahlen ein großes Risiko. Zu lange draufgehalten oder Druck zu hoch --> Verzug --> Tonne.

Grüße
Stefan
yoko
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Re: Karosserie Verzinken ?

Beitrag von yoko »

Karosserie Sandstrahlen geht, mit feinem Strahlgut und einem guten Strahlemann, der das auch kann. Habe unseren 66er Käfer auch komplett Strahlen lassen, würds aber heute nicht mehr komplett machen (nur mehr untere, rostige Peripherie). Bitumen sollte vorher grob entfernt werden, sonst muß der Strahler zu viel Druck geben und dann kommts zum Verzug...(Karosseriedichtmasse bleibt auch dran). Außerdem fängt Bitummen nach längerem Draufhalten beim Strahlen warm zu werden und zu schmieren.
Wir mußten nach dem Schweißen nochmals Strahlen, weil sich inzwischen wieder Flugrost gebildet hatte (Versuch mit Fertan war zwecklos). Die Karosse wurde sofort danach mit 2K Grundierung grundiert. Problematisch ist vorher das Ausblasen/Saugen des Strahlgutes. Danach Nähte abgedichtet und zum Lackierer. Der hatte sehr wenig Freude mit der gestrahlten Karosserie, weil die innen/außen gefüllert/geschliffen werden mußte (keine Teppiche und nur Standardhimmel verbaut, alles andere ist auf Sicht).
Somit hat die Sache schon Vor- und Nachteile....muß halt jeder wissen...

VERZINKEN
Der "Varus" hier im Forum (leider 2015 verstorben) hat unter "Flatfour" im "Motortalk" seinen Spritzverzinkten Käferunterteil mit Bildern dokumentiert, also geht das auch. Am besten im "Motortalk" unter Suche "Flatfour+verzinken" suchen (wenn ich ich richtig erinnere, hatte der mal gepostet, daß er den ganzen Käfer Spritzverzinkt hat).
Einen Link füge ich an:

http://www.motor-talk.de/bilder/zeigt-h ... 22425.html
Gruß C.

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Red1600i
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Re: Karosserie Verzinken ?

Beitrag von Red1600i »

Die Bodengruppe zu verzinken per "Spritzverzinken" alias zerstäuben von metallischem Zink per Plasmabrenner... jep: funktioniert.

Allerdings kommt dann die Frage: welche Grundierung hält da drauf? Das normale Lacksystem funktioniert da nicht! Es muss ein aktiver Säure Washer sein, sonst ist das völlig sinnlos...

Auf der Karosserie? Sinnlos, wie oben schon genannt...
yoko
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Re: Karosserie Verzinken ?

Beitrag von yoko »

Wie hier vll schon bekannt, lasse ich die Bodenplatte Feuerverzinken und die bleibt so
Wenns etwas grau/matt wird lasse ich sie mit transparenten Dinitrol Wachs ein, hat sich so bewährt.

Beim Spritzverzinken kann ich mich an ein älteres Memminger Video erinnern, der seine Spritzverzinkten Bodenplatten danach Pulverbeschichten läßt. Also müßte das auch halten und sicher eine bessere Optik.

Karosserie würde ich von derartigen Verzinken freihalten, weil da kaum lackmäßig was dranhält, wie Redi schon sagte. Ich habe beim 66er die verzinkten Endspitze mit 3M-Schwamm und Nitro rauhgerieben/entfettet, dort hält 2K Grund und Lack. Ist aber nur eine kleine Stelle, geht natürlich nicht bei einer Karosserie.

In dem voriges Link vom Flatfour hatte er doch kommentiert, seine ganze Karosse Spritzverzinkt zu haben. Aber wie er das mit dem Lack gemacht hat, können wir ihn ja nicht mehr fragen.

PS/Ergänzung: Bitte nicht verwechseln/vermischen Feuerverzinkte und Spritzverzinkte Bleche mit Galvanisch Verzinkten Blechen, das sind 2 Paar Schuhe. Auf den Gavanischen Blechen kann problemlos lackiert werden (wie im heutigem Autobau üblich). Auf den Feuerverzinkten eben nicht, weil die noch Jahre hindurch "ausblühen/fetten", erst nach Abwitterung kann drauf gestrichen werden (weiß ich von Jemandem, der die Anlagenaufsicht auf den Autobahnen über hat).
Gruß C.

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Red1600i
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Re: Karosserie Verzinken ?

Beitrag von Red1600i »

Ich hab mal vor Jahren den Rahmen für eine Zündapp spritzverzinken lassen. Rahmen und Schwinge... per Spritzverzinken alias Flammspritzen.

Das wird unvorstellbar rauh, ein 40er Schleifpapier ist glatt dagegen. Erstmal üppigst schleifen... dann hat man eine halbwegs brauchbare Oberfläche. Für Sichtbereiche völlig unbrauchbar, weil wellig und ungleichmäßig.

Spachtel auf Zink ist grenzwertig, hält nicht wirklich, platzt früher oder später.

Auf technischen Teilen kann man als Haftgrund Säure Washer verwenden, das geht auf dem Zink ziemlich gut. Die Lackhaftung ist dann excellent.

Doof wird es, wenn Beschädigungen auftreten. Das Zink korrodiert flächig unter Lack. Mit dem Säure Washer ist es halbwegs begrenzt, normale Lacksystem werden handtellergroß unterwandert, es geht sogar sehr schnell, ein Winter reicht bereits für flächiges Enthaften.

Trotzdem ist im Sommerbetrieb der Schutz überragend, 30 Jahre sind keinerlei Problem. Nur Salz ist ein Problem, nicht wegen dem Rost... rosten wird es fast nie mehr, aber die Lackhaftung bleibt permanent ein Problem wegen der Unterwanderung.

Die Zündapp ist heute noch makellos, für Sommer Fahrzeuge ideal. Man kann es auch auf hochfesten Stählen und tragenden Teilen machen, das Material wird während des Auftrags nicht ausgeglüht wie beim Feuerverzinken, es verzieht sich nicht. Man kann das Teil nach dem Spritzen nach wenigen Minuten problemlos anfassen, das glüht garnix. Vielleicht 100 Grad während des Sprühens... ich hatte Angst, dass da Wärme Einflüsse wären, sind aber nicht da. Kleinere Schadstellen durch Steinschlag rosten nicht, es passiert nichts mehr. Nach Jahren füllt sich der Steinschlag grau auf, etwas krümelig, lösen tut sich nichts. Man kann es etwas anschleifen, neu lackieren... Rost ist nie mehr gekommen.

Dasselbe Thema bei einer BMW Hinterachse im Winterbetrieb sah völlig anders aus. Die Achse war nach 2-3 Wintern komplett enthaftet lackfrei, trotz Säure Haftgrund... und immer noch rostfrei. Das blieb sie auch ohne Lack rund 5 Jahre... dann ging es etwas los.

Später habe ich sie nochmal gestrahlt und KTL lackiert. Das Zink blieb größtenteils unversehrt. Sie ist heute noch im Einsatz... Wintereinsatz.

Vielleicht kriegt sie mal in ein paar Jahren nochmals eine Überholung.

Feuerverzinkte Teile habe ich auch probiert. Im Sommerbetrieb Null Problem.

Im Winter blühen die Teile gewaltig, massive Zink Korrosion, blumenkohlartige Oxyde, aber kein Rost. Optisch ist es aber kein Genuss, es sieht übelst aus. Weisser/grauer "Schimmel", schwarze Salzverfärbungen...
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Fong
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Re: Karosserie Verzinken ?

Beitrag von Fong »

Erstmal ein Danke für die ausführlichen Antworten

Also ich habe meine Bodengruppe auch erst Sandstrahlen und danach Spritzverzinken lassen.
Anschließend hat sie mir mein Kollege (gelernter Lackierer) 3-lagig lackiert. Welche Grundierung er für den verzinkten Untergrund verwendet hat weis ich aber nicht…Laut meinem Lackierer sei es aber kein Problem mit der richtigen Grundierung. Da die Bodengruppe bei einem Kollegen in der LKW-Fahrzeugbaufirma gestrahlt und verzinkt wurde, habe ich keine Bedenken wegen der Haftung der Grundierung. In der Firma wird jeder LKW-Aufbau genauso behandelt und anschließend mit Industrielack gespritzt.

@ Red1600i: Die Struktur der Spritzverzinkten Oberfläche war nicht extrem Rau. Ich denke das kommt auf das Strahlmaterial an welches verwendet wird.

@Yoko: Mein erster Gedanke war auch die Bodengruppe zu Pulvern. Jedoch wurde mir von allen Seiten davon abgeraten, da Pulverbeschichtete Oberflächen eher zu Abplatzungen neigen (Steinschlag) als lackierte Flächen. Ich habe wie oben schon geschrieben 3-Lagig Brantho Korrux 3-in-1 verwendet.

Dass die Karosserie im Vorfeld erst komplett von den zähen Bitumen gesäubert werden muss ist mir klar. Sowie dass sie nachher nochmal, nach dem Schweißen wieder mit feinen Strahlgut behandelt werden muss.

Naja, werde das jetzt nochmal mit dem Lackierer genau besprechen welchen wie er sich das vorstellt mit dem Lackaufbau oder was er da immer für eine Grundierung verwendet. Werde dann mal berichten…

Danke schon mal für die konstruktiven Antworten.

Grüße Simon
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